Zum Stück
Schlaumeier und Siebesieche
DER REVISOR ist eine der bekanntesten und beliebtesten
Komödien auf den Theater-Spielplänen der Welt. Als wir
sie wieder lasen, wuchs der Wunsch, gerade diese Ge-
schichte auf die Villmerger Theaterbühne zu bringen.
Nur: Die Originalfassung von Nicolai Gogols (1809-1852)
satirischem Stück benötigt 20 männliche und 5 weibliche
SchauspielerInnen. Die Theatergesellschaft Villmergen
aber hat 4 männliche und 7 weibliche SchauspielerInnen
zur Verfügung. Zudem prangert DER REVISOR das
korrupte Beamtentum im zaristischen Russland an und wir
leben doch hier in der Wiege der modernen Demokratie.
Es war klar: Wenn wir die auch heute noch äusserst unter-
haltende, spassige und freche Komödie aufführen wollten,
musste das Stück für die Möglichkeiten und Talente der
TGV massgeschneidert werden.
In unserer Version DIE REVISORIN wählten wir eine armse-
lige, schweizerische Chilbi-Budenstadt zum Spielort.
Dieser modellhafte Sammelpunkt für alle möglichen Unzu-
länglichkeiten schien uns bestens geeignet, die Übertrei-
bungen und Verzerrungen heutiger (politischer und wirt-
schaftlicher) Systeme und Lebensformen abzubilden.
Als eine Revisorin in der Chilbistadt auftaucht, stört sie
die bislang so rund laufende und schöne Ordnung. Hierar-
chie und Betrieb kommen arg durcheinander. Und die
Chilbi-Leute beginnen zu heucheln, zu lügen, zu streiten
und zu intrigieren, um zumindest die eigene Haut retten
zu können.
Die kleinen Geschenke, welche die Freundschaft erhalten,
werden zu Schmiergeldern, mit denen man von Schlampe-
reien und Missständen abzulenken und sich Vorteile zu
verschaffen hofft. Seilschaften, Korruption, Filz und
Klüngel werden sichtbar und leuchten als verrückte Poin-
ten zum Spass für Darsteller und Publikum.
Vieles ist Schein und nichts so, wie es scheint. Man täuscht
und wird getäuscht. Das Karussell der Profitgier dreht
schnell und plötzlich ist da – nicht nur in der Geisterbahn -
auch die Angst. Die Wahrheit lässt sich nicht mehr länger
weglachen.
So kann's nicht weitergehen!
Iischtiige, Platz neh, bitte!
Peter Fischli und Paul Steinmann
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